Temporäre Obstausstellung Meggen 1900/01

Schon 1870 veranstaltete der Landwirtschaftliche Ortsverein Meggen einen Kurs zur Pflege von Obstbäumen und zum Aufpfropfen neuer Sorten auf bestehende Bäume. Der Erfolg in den nächsten Jahren war gross. Viele der neuen Sorten erhielten Auszeichnungen an kantonalen und eidgenössischen Ausstellungen. Aber  auch kleinere Misserfolge mussten eingesteckt werden, da Boden- und Klimaansprüche der neuen Sorten oft zu wenig berücksichtigt worden waren.

Um nun alle Megger Obstsorten und ihre Qualität besser vergleichen zu können, wurde 1900 vom Landwirtschaftlichen  Ortsverein beschlossen, eine temporäre Ausstellung aller Obstsorten zu veranstalten, zeitlich abgestuft nach Reife der Früchte. In vier Abteilungen wurden ausgestellt:
1. Kirschen und Beeren
2. Frühbirnen, Frühäpfel, Pfirsiche, Aprikosen
3. Herbstobst
4. Lagerobst

Parallel zu diesen Ausstellungen wurden Exkursionen veranstaltet zu den Bauernhöfen von Meggen, wo die entsprechenden Bäume samt Früchten besichtigt wurden und wo Sortenansprüche an Standort, Düngung, Schnitt etc. von Fachpersonen erläutert wurden.
Mit diesen Veranstaltungen wollte man besonders wertvolle Obstsorten und dadurch die Rentabilität des Obstbaus fördern.
Dem Ausstellungskomitee gehörten an: Robert Stalder als Präsident, Josef Scherer-Amgrüth, Heinrich Scherer, Lerchenbühl, Albert Scherer, Bergiswil, Alois Sigrist, Kreuz. Als Fachmann wurde Prof. Zschokke, Wädenswil, beigezogen. Initiant der ganzen Ausstellung war Josef Sigrist-Villiger vom Letten. Sie fand im Schiessstand beim «Kreuz» statt.

Riesige Anzahl von Obstsorten
Man staunt über die riesige Anzahl von Obstsorten, die da ausgestellt wurden: 23 Kirschensorten, 5 Beerensorten, beim Frühobst 15 Birnen- und 11 Apfelsorten, beim Steinobst (Zwetschgen, Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche) 9 Sorten, bei den Tafelbirnen 17 Sorten, bei den Koch- und Dörrbirnen 9 Sorten, bei den Mostbirnen 27 Sorten, bei den Tafeläpfeln 40 Sorten, bei den Mostäpfeln 16 Sorten. Die Lageräpfel mit 23 Sorten wurden am 24./25. März 1901 vorgestellt.

Viele Lokalnamen
Geht man die Namen der Obstsorten durch, fällt auf, dass viele Lokalnamen vorkommen, so z.B. Späte Lettenkirsche, Lowerzerkirsche, Schnyderkirsche, Kreuzkirsche, Salzfasskirsche, Sitenkirsche, Schwerzibirne, Hofmattbirne, Strichmattbirne, Bergiswiler Apfel, Lettenapfel.
Die Sorten unterschieden sich, aber die richtigen Artnamen waren nicht bekannt. Viele Obstnamen werden aber auch heute noch bei älteren Leuten Erinnerungen an vergangene Zeiten wecken: Teilersbirnen, Gelbmöstler, Schweizerwasserbirne, Butterbirne, Williams Christbirne, Hofratsbirne, Gute Louise, Berner Rosen, Jakob Lebel, Transparent, Bohnapfel etc.
Das ausgestellte Obst wurde teils auch klassifiziert, um wertvolle Sorten zur Anpflanzung, minderwertige zur Ausmerzung zu empfehlen.

Fortschrittlicher und innovativer Obstbau
Die 27-seitige, grossformatige Dokumentation über diese Ausstellung befindet sich im Historischen Archiv der Gemeinde Meggen, natürlich in der alten deutschen Schrift. Sie zeigt, wie fortschrittlich und innovativ die Megger Bauern um 1900 den Obstbau betrieben. Sie waren aber auch hervorragende Viehzüchter, wie dies viele Auszeichnungen an damaligen Ausstellungen belegen. Dieser Tatendrang gipfelte in der Landwirtschaftlichen Ausstellung 1909 in Luzern, wo die Megger ein altes, schönes Innerschweizer Bauernhaus kauften, das abgebrochen werden musste und das sie zu Informationszwecken auf dem Ausstellungsgelände in Luzern wieder aufbauten. Ein Blickfang für alle Besucher!

Das «Mostindien» der Zentralschweiz
Meggen war damals das «Mostindien» der  Zentralschweiz. Die Südlage mit dem milden Klima und die Nähe zur Stadt Luzern und ihren Vororten machten Meggen zu diesem Obstland. Von grösster Bedeutung waren dabei die Tafeläpfel und die Mostbirnen. Most wurde zu gutem Preis nicht nur in wöchentlichen Touren nach Luzern und die Agglomeration gebracht, sondern mit der Bahn bis nach Basel verfrachtet. Früher sagte man oft mit einem gewissen Schmunzeln, die Megger Bauern seien reich geworden durch den Verkauf von Teilersbirlimost. Und jeden Herbst gab es die berühmten Mostbummel von  Auswärtigen nach Meggen, wo nicht nur Gärmost getrunken, sondern auch in froher Runde getanzt und geschäkert wurde, wie der junge Bursche auf einer Postkarte schrieb: «Tanzet hemmer, wie de Lump am Stäcke!»
Hans Lustenberger, Archivar der Gemeinde Meggen, Juni 2009